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Kategorie: Schauwert

In dieser Kategorie sind folgende Beiträge:
  Schauwert: Alles Ansichtssache
Verfasst von: Dr. Stefan Seitz am Freitag, 29. August 2003, 13:43 Uhr
 
  Zoohaltung
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Bedeutung und Wandel

Die Existenz moderner Zoos seit mehr als 150 Jahren befriedigt ein menschliches Bedürfnis nach Kontakt mit Wildtieren. Fernsehen und Internet können diesen persönlichen Eindruck nicht vermitteln. Dadurch erreichen Zoos trotz mancher Kritik eine höhere Akzeptanz als andere Formen der Tierhaltung. In Deutschland zählen Zoos ca. 40 Millionen Besucher im Jahr, mehr als alle anderen Kultureinrichtungen und Sportveranstaltungen.

Zuneigung und Wissen lassen sich heute nur erfolgreich vermitteln, wenn Besucher eine Tierhaltung als ansprechend empfinden. Derzeit vollzieht sich ein Wandel von funktionalen Gehegen im "Badezimmerstil" zu naturalistischen Anlagen, in denen Tiere biologisch sinnvolles Verhalten zeigen. Fortschritte in Hygiene und Parasitenbekämpfung und bessere Kenntnisse der tierlichen Bedürfnisse haben diesen Schritt ebenso ermöglicht wie die gestiegenen Erwartungen eines zunehmend aufgeklärten und kritischen Publikums.





Naturalistische Anlagen mit Gemeinschaftshaltung sind für Tiere und Besucher attraktiv.



Der Schauwert einer Tierart stützt sich auf Aktionen der Tiere, ihre Beliebtheit (Bekanntheit) beim Publikum und eine geeignete Präsentation. Aktivität, Größe, Exotik, intelligentes verhalten, Zahmheit und das (Wieder-)Erkennen von Individuen fördern die Attraktivität. Die Beurteilung hängt auch von Bildungsstand und persönlicher Neigung des Betrachters und dem Zeitgeist ab.


Akzeptanz von Tapiren

Bei kaum einem Tier reichen die Meinungen derart weit auseinander wie bei Tapiren - von völliger Ablehnung über spöttische Belustigung bis zur totalen Begeisterung. Häufige Verwechslungen mit anderen Tierarten bestätigen den Bedarf an Aufklärung. Ob langweilig oder faszinierend, in jedem Fall regen Tapire die Phantasie ihrer Betrachter an.

Ihre tropische Herkunft und urtümliche Erscheinung bewirken den Reiz des Außergewöhnlichen. Es fehlt ihnen jedoch an "Trophäen" und überragender Körpergröße. Kleine Augen, Stummelschwanz und spärliche Behaarung wecken keine Sympathie. Als "gutmüthige, furchtsame und friedliche Gesellen", wie sie Alfred Brehm beschrieb, wird die Gefährlichkeit von Tapiren oft unterschätzt.

Der bewegliche Rüssel spricht die Leute an, vor allem wenn ein neugieriger Tapir damit ihre Witterung aufnimmt oder gar auf Tuchfühlung geht. Schrille Pfeiflaute und Versprühen von Urin besitzen einen Überraschungseffekt. Ausgiebige Bewegungs- und Sozialspiele lassen sich selten beobachten. Auch die attraktive Färbung der Jungtiere sich nur zeitlich begrenzt bestaunen.

Der Schabrackentapir fällt durch seine ungewöhnliche Zeichnung stärker auf, erreicht aber nicht die höchsten Sympathiewerte. Das größte Charisma besitzt der Bergtapir mit seinem "Clownsgesicht" und Bärenfell. Zu bedauerlich, dass diese attraktivste Art die mit Abstand seltenste im Freiland und im Zoo ist.


Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität

Firmen haben Tapire längst als Werbeträger entdeckt, und Auftritte in Tierfilmen und Kinderbüchern steigern das allgemeine Interesse an diesen Tieren. Eine Feuerwache in den USA hat einen Schabrackentapir aus Plüsch zu ihrem Maskottchen erklärt. Leibhaftige Vertreter dieser Art sind Patenkinder der bekannten WDR Sendung "Zimmer frei".

In Zoos sind Tapire vielfach nicht optimal präsentiert. Abgesehen davon, dass die Tiere in der Mittagszeit und vor allem bei Hitze ausgiebig ruhen, können reich strukturierte Gehege, ein ausreichendes Wasserangebot, Futter zur Beschäftigung und die Vergesellschaftung mit weiteren Tierarten zu erhöhter Aktivität beitragen. Gezielte Fütterungen, Wasserduschen oder Fellpflege durch Tierpfleger könnten die Anziehung zusätzlich steigern und gleichzeitig über die Tiere informieren.



Publikum und Tiere können sich bei diesem Gehege gegenseitig beschnuppern.



Die Anlagen sollten gut erreichbar sein, ohne von attraktiveren Nachbarn abgelenkt zu werden. Ein Abenteuer-Lehrpfad mit verschiedenen Einblicken in die Gehege kann Besucher am besten an die Tiere heranführen. Die Verwendung von Wassergräben oder Glas als Barrieren erleichtert auch die Sichtbarkeit ruhender Tiere. Aussichtspunkte mit Sitzgelegenheiten, eine ansprechende Beschilderung, Pflanzen auf Seiten von Besuchern und Tieren und die Nähe zu Wasser fördern Aufenthaltsdauer und Wohlbefinden.


Weitere Informationen

Stilblüten: Meinungen zum unbekannten Wesen
Portraits: Berühmte Tapire und ihr Stammbaum
Geschichten: Gefährliche und friedliche Begegnungen
Verhalten: Was Tapire alles können


Buchtipp zum Schauwert von Tapiren



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