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Kategorie: Tierhaltung

In dieser Kategorie sind folgende Beiträge:
  Tierhaltung: Leben in der Wildnis ist kein Luxus
Verfasst von: Dr. Stefan Seitz am Mittwoch, 20. August 2003, 17:28 Uhr
 
  Zoohaltung
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Haltungsgeschichte

Als die spanischen Eroberer 1519 in der Residenz des Aztekenherrschers Montezuma in Tenochtitlan eintrafen, fanden sie einen prächtigen Park mit zahlreichen Tier- und Pflanzenarten Mittelamerikas vor; darunter befanden sich auch Tapire. Der 1990 gestürzte General Noriega hinterließ in Panama fünf Tapire aus seinem Privatbesitz, für die die Zoologische Gesellschaft von San Diego eine erfolgreiche Rettungsaktion startete.

Der erste Tapir, der nach Europa gelangte, war wahrscheinlich ein Flachlandtapir. Eine Wandermenagerie stellte ihn 1704 in Amsterdam als „Seepferd“ aus. Zu den ältesten Zoohaltungen im 18. und 19. Jahrhundert zählten der Jardin des Plantes in Paris, die Königlich Württembergische Menagerie in Stuttgart, der London Zoological Garden und der Zoo Berlin.

Die erste Geburt eines Flachlandtapirs erfolgte 1868 im Hamburger Zoologischen Garten. Schabrackentapire züchteten erstmals 1929 im Zoo Leipzig; den Grundstein für eine kontinuierliche Zucht, die zum Aufbau der heutigen Zoobestände führte, legten 1964 der Tiergarten Nürnberg und der Dallas Zoo. Baird’s-Tapire pflanzten sich 1960 im Tuxtla Gutierrez Zoo in Mexiko erstmals fort, Bergtapire 1977 im Los Angeles Zoo.





Diese Aufnahme zeigt eine Kreuzung aus Baird's- und Flachlandtapir.
Foto: Sheryl Todd, Tapir Preservation Fund



Die einzigen bekannten Tapir-Hybriden (Bastarde) züchtete der San Franzisko Zoo als Nachkommen eines weiblichen Baird’s- und eines männlichen Flachlandtapirs in den 1950er Jahren. Über den Verbleib der vier Jungtiere, von denen eines selbst wieder Nachkommen zeugte, ist fast nichts bekannt. Die gemeinsame Haltung verschiedener Arten wurde seitdem nicht mehr praktiziert, da sie für die Arterhaltung keinen Sinn macht.


Verständnis und Probleme

Viele Zoos halten Tapire als Bestandteil ihrer systematischen, tiergeographischen oder ökologischen Ausstellung. Größere Einrichtungen beherbergen gelegentlich mehr als eine Tapirart. Alle vier Arten hielten im Laufe ihrer Geschichte nur die Zoos von Los Angeles und San Diego. Aus Platzgründen können sich Zoos selten mehr als ein Zuchtpaar leisten. Die Gruppenhaltung mit einem erwachsenen Männchen (Harem) gelingt am ehesten bei Flachlandtapiren.




Sieben auf einen Streich!
Im Singapur Zoo gelingt die Gruppenhaltung der sonst recht eigenwilligen Schabrackentapire. Foto: Ilona Schappert



Mit Fortschritten in der Tiermedizin, Hygiene und Ernährung haben sich Lebenserwartung und Zuchterfolge von Zootieren deutlich verbessert. Bei Tapiren gibt es allerdings noch ungelöste Probleme: so sind sie für Gelenkbeschwerden und Erkältungen anfällig, während Unverträglichkeit mit Artgenossen oder Unfruchtbarkeit einiger Tiere die paarweise Haltung und Fortpflanzung einschränken.

Natürlich unterscheidet sich das Leben im Zoo von dem in freier Wildbahn. Der Tagesablauf wird durch die Tierpflege bestimmt, Flucht- und Rückzugsmöglichkeiten sind begrenzt. Dafür brauchen die Tiere keine Nahrung und Partner zu suchen und werden vor Fressfeinden und Krankheiten geschützt.


Leben in Menschenhand

Unser Begriff von Freiheit ist nicht ohne weiteres auf Tiere übertragbar. Auch ein wildes Tier lebt in einem begrenzten Gebiet (Territorium), das so groß sein muss, dass es seine Bedürfnisse befriedigen kann. Wanderungen werden oft notwendig, um Hunger oder Kälte zu entgehen. Die besten Territorien müssen erobert und gegen Konkurrenten verteidigt werden.

Tapire können sich recht gut an von Menschen geschaffene Bedingungen anpassen, weshalb man nicht von „Gefangenschaft“ sprechen sollte. Raum ist dabei nicht das einzige Kriterium, sondern das Vorhandensein von bedeutenden Strukturen wie Tränke, Futterstelle, Liegeplatz, Kotstelle, Scheuerstelle, Sozialpartner etc. machen die Qualität einer Tierhaltung aus. Unter „artgerecht“ sollte man verstehen, dass Tiere ihre angeborenen natürlichen Verhaltensweisen ausführen können.





Die meisten Tapire sind leidenschaftliche Schwimmer.
Dieses Verhalten können sie nicht überall unter Beweis stellen.



Eine große Gefahr bei der Tierhaltung ist der Mangel an Beschäftigung. Die Herausforderung besteht darin, den Tieren ausreichend Abwechslung und neue Reize zu bieten, damit Sinne und Muskulatur immer wieder gefordert werden. „Langeweile“ empfinden nicht alle Kreaturen, aber Lethargie ist für die physische und psychische Gesundheit nicht gerade förderlich. In den letzten Jahren arbeiten Zoos verstärkt an Maßnahmen zur Lebensraumbereicherung (Environmental Enrichment).

Für Zoobesucher ist eine Haltung nicht unbedingt auf den ersten Blick zu beurteilen. Eine genaue Analyse der Arbeitsabläufe und ein Blick hinter die Kulissen sind dafür erforderlich. Wichtig sind abwechslungsreiche Ernährung, regelmäßiger Auslauf und Schutz vor extremen Witterungseinflüssen. Den Tieren sollten begrünte Anlagen mit Bademöglichkeit zur Verfügung stehen. Futterzweige, Wasserduschen und die Vergesellschaftung mit anderen Tierarten sorgen für Beschäftigung.


Für Interessierte

Buchtipp zur Haltung von Tapiren 



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